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Briefe an Max - Ausgabe #9

Briefe an Max - Ausgabe #9
Von Marcel Schneuer • Ausgabe #9 • Im Browser ansehen
Servus Max!
Vier Hausarbeiten und gefühlte Badewannen voller Koffein später sehe ich ein Licht am Tunnel. Vielleicht hat in dieser WG aber auch einfach wieder jemand das Licht im Flur angelassen.
Heute geht es um Opfermythen, Klage 8328 gegen Google und eine kleine Oase für alternative interaktive Erzählungen (formerly known as Videospiele).

Substantiv, Verb, Mundtod machen.
Rechter Opfermythos - Die Geschichte einer Razzia
Den Rechten ist der Opfermythos nicht unbekannt. Ob jetzt nun die klassische Dolchstoßlegende oder doch die Behauptung der Zensur, wenn irgendjemand bittet, doch wenigsten grundlegende Prinzipien der Gemeinschaft einzuhalten. Es bleibt jedoch immer wieder interessant, welche neuen Taktiken sich ausgedacht werden, damit man die Irrelevanz als unterdrückten Widerstand dastehen lassen kann.
Netzpolitik.org hat dies in einem aktuellen Beitrag über den Videoblogger Torsten Donnerstein exemplarisch dargestellt. Dessen Seite wurde eines Tages plötzlich vom Netz genommen und durch einen Banner ersetzt, der besagt, dass gegen die Besitzer ermittelt wird. Nur weiß das BKA, welches die Meldung unterschrieben haben soll, leider nichts davon.
Der Autor Daniel Laufer nimmt uns mit auf eine Recherche, die sehr schnell zeigt, dass die Legende des Digitalrebells mit sehr einfachen und durchschaubaren Mittel aufgebaut wurde. Außerdem wurden gleich auch noch Verbindungen zur NPD aufgedeckt. Guter Journalismus, guter Artikel.
Google meint, ihr habt nicht zu verbergen.
Datensammelei trotz Inkognito-Modus: Google muss vor Gericht | heise online
Es sollte eigentlich keine Überraschung sein und Chrome hat es sogar in dem kleinen Fenster stehen, aber der “Inkognito”-Modus beim Google-Browser bedeutet nicht wirklich, was jeder normale Mensch unter Privatmodus verstehen würde. Es werden zwar keine Daten auf dem eigenen Gerät gespeichert, wenn man was auch immer in dem privaten Fenster macht, jedoch schneidet jeder andere Dienst, inklusive Google, das eigene Surfverhalten munter weiter mit.
Google, wie gesagt, beruft sich darauf, dass sie es relativ deutlich in das Fenster schreiben, jedoch ist es noch nicht seit Langem so deutlich und wenn ich ehrlich bin, habe ich selber noch nie den Text gelesen, der in so einem neuen Tab steht. Das ist natürlich auch das, worauf Google hofft, da es nun mal deren Geschäftsmodell ist, für jede deiner Neigungen die beste Werbung zu finden.
Falls du das relativ fadenscheinig findest, bist du nicht alleine. Der kalifornische Bundesgerichtshof hat den Antrag auf Einstellung des Verfahrens abgelehnt, der eine aktuelle Klage wegen genau diesen Sachverhalts vorzeitig beendet hätte. Da es sich um eine Sammelklage handelt, könnte es um Milliarden für Google gehen. 2022 soll der Prozess losgehen. Mal sehen, was sich der Konzern bis dahin noch alles einfallen lässt.
Außerdem finde ich dies einen guten Zeitpunkt, um mal wieder darauf hinzuweisen, dass es deutlich bessere Alternativen zu Chrome gibt.
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Text Adventures: how Twine remade gaming
Dieser Artikel hat keine aktuelle Relevanz, war aber der schönste, den ich diese Woche gelesen habe. Bevor es Videospiele mit sehr viel Grafik und sehr wenig Story gab, existierten Textadventures mit gar keiner Grafik und unglaublich kreativen Geschichten. Als Jahrgang 1995 bin ich deutlich zu jung, den Zauber live miterlebt zu habe, aber auch heute noch findet man die alten “Klassiker” im Internet, wenn man lang genug sucht.
Durch die kostenlose Software Twine wurde diese Art von Spiel wieder entdeckt und zwar von Menschen, die in der normalen Spielewelt wenig Platz haben (tatsächlich leider auch immer noch Frauen). Da man so gut wie keine Vorkenntnisse braucht, um eine Geschichte im “Choose your own Adventure”-Style zu schreiben, führte es dazu, dass junge Schreibende Perspektiven darstellen konnten, die große Medienhäuser als “zu riskant” einstufen würden. Persönlich kann ich das auch im Artikel erwähnte Spiel “Depression Quest” empfehlen, welches damals zu etwas names Gamergate geführt hat, dessen Nacherzählung ganze Bücher füllt.
Die kostenlosen Spiele brachten aber auch Positives. Einige der erfolgreicheren Stories führten dazu, dass die Personen dahinter zu ersten richtigen Jobs entweder in der Videospielbranche oder auch im Film kamen.
Und sonst so ...
Firefox Hersteller Mozilla lädt diese Woche zu einer kostenlosen Konferenz für Netzdinge ein.
Content Creator verkaufen jetzt auch die Entscheidungen über ihr tägliches Leben.
Amazon zerstört nicht nur die Buchindustrie, sondern Bibliotheken gleich mit.
Netflix hätte gerne, dass du nicht mehr den Account deiner Ex benutzt.
Song der Woche
Kaky - La tête pleine [Clip officiel]
Kaky - La tête pleine [Clip officiel]
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Gruß
Marcel
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Marcel Schneuer

Wöchentliche Briefe an meinen Mitbewohner mit Interessantem aus Politik, Technologie und Kultur.

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