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Briefe an Max - Ausgabe #8

Briefe an Max - Ausgabe #8
Von Marcel Schneuer • Ausgabe #8 • Im Browser ansehen
Hallo Max!
Endlich bin ich wieder aus der Quarantäne entlassen worden. Ich habe meine Freiheit gebührend gefeiert, indem ich 15 Minuten in einer Supermarktschlange stand. Love Life und so.
Heute geht es um falsche Zensur (echte gibt es genug), falschere Unabhängigkeitsversprechen und ein Elektro-Herz.

Das darf man tatsächlich alles noch sagen.
Meinung im Netz: Rechte Falschmeldungen gehen bei Facebook viral
Es fällt mir immer schwer zu glauben, dass Menschen, die von Cancel Culture oder Linken Denkverboten reden, das wirklich ernst meinen. In meinem Kopf ist das eigentlich immer eine Rhetorikübung, damit es in den Talkshows nicht langweilig wird. So ein bisschen wie ein UN Planspiel, wo man einfach mal Spanien oder Nordmazedonien sein kann und schaut, wohin das Argument führt.
Trotz dem Fakt, dass sowohl Dieter Nuhr als auch Lisa Eckhart lustig weiter (gefühlt sogar mehr) im Fernsehen rumspringen dürfen, scheinen aber Menschen tatsächlich ernsthaft davon überzeugt, dass ihre im Grundgesetz verankerten Interessen irgendwie verbannt werden. Besonders gerne wird dieses Argument von rechter Seite im Bezug auf Social Media gebracht und wie bei jedem Scheinargument war es nur eine Frage der Zeit, bis das Gegenteil (wieder) bewiesen wurde.
Das amerikanische Center for Cybersecurity der New York University hat über 8 Millionen Posts aus mehr als 2900 Quellen analysiert und ist zum Schluss gekommen, dass, im Vergleich zu den linken Äquivalente, rechte Medien gleiche und rechte Fake Medien deutlich mehr Aufmerksamkeit bekommen. Wie fast bei jeder Studie ist zu kritisieren, dass die Originaldaten nicht veröffentlicht werden und damit eine Reproduktion nicht möglich ist. Ich vertraue hier einfach mal dem Ruf der Universität.
Zu beachten ist, dass die stärkere Reichweite der rechten Fake News auch dadurch kommen kann, dass linke Aktivisten gerne auf solche hinweisen, um entweder zu warnen oder sich lustig zu machen. Eindeutig ist jedoch, dass es keine Zensur von konservativen Inhalten gibt (so lange sie die Menschenwürde beachten). Bitte gehen Sie weiter.
Bar oder mit Aktienanteilen?
Korruptionsaffären: CDU und CSU schaden dem Ansehen des Parlaments - Meinung - SZ.de
Eine gemeinsame Freundin von uns würde die aktuelle Situation bei der Union wohl mit “sehr viel Uff” bezeichnen. Es scheint langsam die Regel zu sein, dass jede berühmte Politiknase der Mitte irgendwann einen kleinen Skandal hat. Hier eine kurze Liste der letzten Legislatur:

  1. Julia Glöckner lobt Nestlé extrem öffentlich dafür, nur noch 96% pure Bösartigkeit zu sein.
  2. Philipp Amthor sitzt im Aufsichtsrat irgendeines shady Unternehmens und schafft dafür direkte Kontakte in die oberste Regierungsetage.
  3. Ursula von der Leyen schafft so viel Geld zu dem Taufparten ihres Kindes, dass es einen eigenen Wikipediaartikel dazu gibt. Zum Glück wurde sie ausreichend bestraft und ohne Wahlkampf zur EU Kommissionspräsidentin ernannt.
  4. Jens Spahn lädt zum Essen ein und verlangt dafür nur eine kleine Spende knapp unter der meldungspflichtigen Summe.
  5. Georg Nüßlein hat das Vielfache seines Gehaltes auf Kosten des Steuerzahlers mit einem kurzen Anruf gemacht.
  6. Nikolas Löbel hat genau das Gleiche gemacht (wie unkreativ!).
  7. Abgeordnete Strenz warb gegen ein kleines Taschengeld für Aserbaidschan.
  8. Axel Fischer schien aus dem netten Besuch der Staatsanwaltschaft bei Strenz (VOR EINEM JAHR) nichts gelernt zu haben und machte das Gleiche (und trotzdem weiß niemand, wo es liegt).
  9. Andreas Scheuer …. naja, is doing his thing.

Diese Fälle sind IN DEN LETZTEN ZWEI JAHREN passiert. Es ist bekannt, dass Regierungsparteien immer etwas näher an dem Geldbeutel der Wirtschaft sitzen als die Opposition, aber ich habe das Gefühl, dass früher sich wenigstens die Mühe gemacht wurde, bis nach seinem Mandat zu warten, um dann führender Lobbyist für Russland zu werden. (Stimmt natürlich nicht.)
Eigentlich fast lustig, dass es auf einmal mit dem Lobbyregister klappt.
How to Build an Artificial Heart | The New Yorker
Ich schreibe gerade Hausarbeiten im Wochentakt, was man auch daran merkt, dass die Zeitungen der letzten zwei Wochen mich verurteilend vom Sessel aus anschauen. Ich hatte jedoch Zeit, diesen Artikel über die Entwicklung von künstlichen Herzen zu lesen und war danach etwas optimistischer.
Die Story hat nicht wirklich eine aktuelle Relevanz. Es gab keinen krassen Durchbruch in den letzten Monaten, sondern nur sehr kleine Schritte. Während viele pro Jahr an Herzkrankheiten sterben, gibt es nur wenige Spenderherzen, die im neuen Körper eine deutlich geringere Haltbarkeit haben. Echte künstliche Herzen (nicht Herzschrittmacher) gibt es gerade nur von einem Hersteller, halten im Moment nur 7 Jahre und sind eher als Zwischenstufe gedacht. Langsam aber sicher kommt man aber zu einem Punkt, an dem die Herzen länger durchhalten und vielleicht eines Tages sogar die normale Lebenserwartung eines Menschen erreichen.
Für diesen Newsletter, in dem ich viel auf Technologie schimpfe, dachte ich mir, dass man auch mal wieder eine gute Nachricht teilen kann :)
Und sonst so ...
Eine neue Studie bestätigt völlig ohne Überraschung, dass keine App so viele Daten verkauft wie Instagram.
Durch die Pandemie sind 1200 neue Wörter zum deutschen Wortschatz dazu gekommen.
David Borenstein hat die Camgirl-Industrie in China dokumentiert. Wenig Nacktheit, aber auch wenig Selbstbestimmung.
Jeff Bezos wollte eine Zeit lang Amazon cool machen und ist gnadenlos gescheitert.
Die Deutschen hatten im Allgemeinen schon mal mehr Vertrauen in die Zukunft.
Song der Woche
Billie Eilish - ilomilo (Audio)
Billie Eilish - ilomilo (Audio)

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Marcel Schneuer

Wöchentliche Briefe an meinen Mitbewohner mit Interessantem aus Politik, Technologie und Kultur.

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