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Briefe an Max - Ausgabe #7

Briefe an Max - Ausgabe #7
Von Marcel Schneuer • Ausgabe #7 • Im Browser ansehen
Hallo Max!
Ich habe das Gefühl, unsere Quarantäne hat uns noch näher zusammen gebracht. Auf der anderen Seite könntest du jetzt auch wieder in deinem Bett schlafen.
Heute geht es um neue Wege, völlig grundlos Geld rauszuhauen, eine Social Media App, die (diesmal wirklich) angenehm sein könnte, und mein fortgeführter Kampf mit Zoom.
Viel Spaß!

Der Wert von 32 Pixeln
Was sind NFTs – und warum spricht gerade die ganze Kunstwelt davon?
Ich habe wirklich lange gesucht, um einen deutschen Artikel zu finden, der gut erklärt, was zur Hölle in der Kunstwelt abgeht (hier, hier und hier gibt es in Englisch mehr Details). Gerade werden nämlich digitale Bilder und Videos, die man unlimitiert vervielfachen könnte, für Millionen von Euros verkauft. Warum? Kunst, darum.
Um das zu verstehen, hier ein kurzer Einführungskurs in den Kunsthandel: Kunst ist im Gegensatz zu vielen anderen Produkten nicht nur Materialien + Arbeitszeit wert, sondern so viel wie man glaubt. Die Formel ist hier eher Emotionen + Limitierung (+ Prestige). So könnte man jederzeit ein Foto von Gurkys Fotografie “Rhein II” (für 4,3 Millionen Dollar versteigert) machen und in etwa gleicher Größe und Qualität ausdrucken. Es wäre aber eben nicht das Original.
Eben so funktioniert der Verkauf von digitaler Kunst über eine Blockchain (die gleiche Technologie wie bei Bitcoin, auch bekannt als unangenehmstes Partythema der Welt). Jeder kann sich zum Beispiel ein Video von einem krassen Slam Dunk bei dem letzten Basketballspiel ansehen, aber du kannst dir jetzt das digital verbriefte Recht kaufen, dass dir dieses Video gehört … und dieses dann wieder für sehr viel Geld verkaufen.
Man könnte es einfach als Ding abstempeln, welches der Kunsthandel gerade für sich entdeckt hat, weil einige Neureiche in Zeiten von einer Pandemie ihr Geld nicht mehr schnell genug loswerden (das Wetten auf Infektionszahlen soll immer noch sehr gut laufen), aber es könnte auch als weiteres Zeichen gewertet werden, dass dieses ganze Cryptozeug nicht mehr weggehen wird. Es ist eigentlich egal, ob alle Bitcoin-Besitzer demnächst Millionen verlieren oder wir bald das Crypto€uro-Starterkit bekommen. Die Art, wie wir Verträge und damit Vertrauen dokumentieren, wird digital werden. Langsam sollten sich “die da oben” also mal etwas ernsthafter mit dem Ganzen beschäftigen.
Einen Moment mal
David Dobrik's app, Dispo, is fresh out of beta - Protocol — The people, power and politics of tech
Dispo - kurz für Disposable - ist DIE neue gehypte App und wird sich über viele schlechte Wortspiele in der deutschen Presse erfreuen dürfen. Die Idee ist sehr einfach: Gemachte Fotos können jeweils erst am nächsten Tag um 9 Uhr morgens angeschaut werden. Der Erfinder und YouTube Star David Dobrik wollte damit verhindern, dass nach jedem Foto erst mal 50 Filter ausprobiert werden, bevor man wieder bereit für die Realität ist.
Die App an sich existiert schon ein paar Monate, aber mit der neuen Version wird es nun möglich sein, die Fotos mit seinen Freunden zu teilen. Nicht in einem öffentlichen Feed, sondern in vielen verschiedenen Filmrollen mit verschiedenen Mitgliedern. Follower-Zahlen? Gibt es nicht. Angst vor einer peinlichen Story? Brauchst du nicht. Dispo scheint tatsächlich eine App zu sein, die nur für den Freundeskreis existiert und nicht zu irgendwelchen stillen Vernetzungsräumen oder Performance-Ängsten führt.
Casey Newton hat letztens angemerkt, dass es auf den amerikanischen (!) Markt plötzlich wieder Konkurrenz unter Sozialen Netzwerken gibt. Zum einen liegt das wohl daran, dass alle Kartellämter der Welt plötzlich Facebook beobachten und zum anderen scheinen nicht Wenige genug von den Mechanismen zu haben, die immer wieder so viele Stunden und Selbstvertrauen klauen.
Du bist gerade eingefroren
Stanford researchers identify four causes for ‘Zoom fatigue’ and their simple fixes
Ich hatte vor ein paar Wochen schon mal von Technosolutionism geschrieben. In kurz: Technologie verspricht die große Antwort auf alles (Bewegungsfaulheit, Einsamkeit, Pandemien) zu sein und scheitert regelmäßig daran, alle Aspekte des menschlichen Daseins zu beachten. In dem Zuge habe ich auch darüber geschrieben, wie sehr mich Videocalls mittlerweile moralisch zerstören. Good News: Jetzt ist es wissenschaftlich bewiesen.
Ein Team in Stanford hat sich dem Ganzen angenommen und herausgearbeitet, warum mich das Kameralicht immer aggressiver macht. Noch besser: Es liefert auch gleich ein paar (temporäre) Lösungen mit:

  1. Distanz zum Bildschirm erhöhen und Zoom-Fenster verkleinern.
  2. Das eigene Video für sich selber unsichtbar machen.
  3. Kamera zwischendurch ausschalten.
  4. Aufstehen und etwas herumlaufen.

Der Artikel bietet auch einige Fragen an, um herauszufinden, wie schlimm die “Zoom-Müdigkeit” schon ist. Bei mir: sehr.

Und sonst so ...
Ein Browser-Plugin blockiert demonstrativ alle Webseiten, die mit Google, Facebook, Microsoft oder Amazon laufen und macht das Internet damit faktisch unbenutzbar. #Oligopol
Eine neue (ziemlich unpraktische) Karte versucht, die Erdkugel besser dazustellen als alle anderen zuvor.
Mit Künstlicher Intelligenz kannst du zusehen, wie sich deine Vorfahren auf das Foto vorbereiten.
Deutschland ist das einzige europäische Land neben Italien mit Mafia-Kommission und wirklich sehr viel spielt sich in Thüringen ab.
Der schon existente internationale Impfpass soll jetzt digital werden und niemand weiß so genau, warum.

Song der Woche
Wenn du mich fragst
Wenn du mich fragst
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Liebe Grüße
Marcel
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Marcel Schneuer

Wöchentliche Briefe an meinen Mitbewohner mit Interessantem aus Politik, Technologie und Kultur.

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