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Briefe an Max - Ausgabe #4

Briefe an Max - Ausgabe #4
Von Marcel Schneuer • Ausgabe #4 • Im Browser ansehen
Hallo Max,
Ich habe hier immer noch deine Hausschuhe und ich muss sagen, so Adiletten sind schon verdammt praktisch.
Heute geht es verdammt viel um Technologie und seinen bitteren Nachgeschmack (sehr metallisch). Nächste Woche mache ich was mit Tieren. Versprochen.

Tech will not save you ...
Technosolutionism Isn’t the Fix | America on the Brink | Issues | The Hedgehog Review
Es gibt das relativ neue Sprichwort, dass Smart Home für alle anderen außer Informatiker hergestellt wird. Tatsächlich trifft man in der “Community” immer eher auf Skepsis gegenüber neuen Innovationen, vor allem wenn sie die Gesellschaft völlig umkrempeln sollen. In anderen Worten, sie sind keine Fans von meinem neuen Lieblingswort: Technosolutionism.
The Hedgehog Review hat einen etwas längeren Artikel (aber auch Podcast) dazu veröffentlicht, wie die Pandemie technische Lösungen in die gesellschaftliche Akzeptanz katapultiert hat. Leider zeigt sich nach nun einem knappen Jahr: Besser ist dadurch nicht wirklich etwas geworden.
Seit man mich darauf aufmerksam gemacht hat, kann ich bei Video Calls nicht mehr aufhören daran zu denken, wie unglaublich seltsam es ist, sich nicht in die Augen zu schauen. Ganz davon zu schweigen, dass die Hälfte der Gestik abgeschnitten ist und man keine Ahnung hat, was hinter dem Bildschirm passiert. Ja, Zoom lässt unsere Gesellschaft irgendwie weiter funktionieren, aber nach der Herdenimmunität so weiter machen zu wollen, scheint bei den wenigsten auf Zustimmung zu treffen.
Der Artikel dokumentiert zum einen den leichten Kater, den selbst die optimistischsten Technikliebhaber verspüren, als auch die potentiellen Folgen, die von Technologien ausgehen. Denn einmal implementiert werden sie wahrscheinlich auch nach der Pandemie nicht mehr so schnell weg gehen. Meistens zum Nachteil der eigenen Privatsphäre.
What can possibly go wrong?
Wie viel Ethik verträgt Google?
Ich studiere an einer Universität, die einen ganzen wissenschaftlichen Bereich von Facebook finanziert bekommt. Interessanterweise geht es bei uns auch genau um Ethik und die Reaktionen auf die Ankündigung waren damals schon verhalten.
Jede Person im wissenschaftlichen Betrieb weiß, wie unschön die Geldsuche ist. Es gibt einige Lehrstühle, die genau so viel Zeit mit Anträge Schreiben wie mit der eigentlichen Forschung verbringen. Ich kann die Verlockung deshalb verstehen, sich in den warmen Geldregen von Big Tech zu bewegen, doch das Beispiel von Timnit Gebrut zeigt anschaulich, welche Konsequenzen dies haben kann.
Die Zeit erzählt hier nach, wie Forschungen der Ethikerin gezielt unterdrückt wurden, um dem eigenen Unternehmensinteresse nicht zu widersprechen. Das Ganze wurde unter dem Deckmantel der “Fairness” abgewälzt, jedoch zeigt sich schnell, dass der wissenschaftliche Diskurs eher in die andere Richtung sehr einseitig war. Extrem interessant und ein bisschen gruselig.
Being Bezos
Es scheint so, als wäre dieser Newsletter heute extrem von Technologie dominiert. Auf der anderen Seite: Wer ist das nicht?
Jeff Bezos ist (des Öfteren) der reichste Mann der Welt, besitzt soviel Infrastruktur, dass er die USA lahm legen könnte, und hat offensichtlich keine Lust mehr auf Bürokratie. Nach vielen extrem erfolgreichen Jahren möchte sich der nun Ex-Amazon-Chef etwas zurück lehnen und nur noch das machen, worauf er Lust hat (und wahrscheinlich trotzdem auch noch mehr Geld).
Der Guardian hat in aller Breite zusammen gefasst, wie Jeff Bezos vom Finanz-Nerd über Buchhändler zu einem Halbgott geworden ist. Im Nachhinein kann man immer sagen, dass irgendjemand anders auch auf seine Ideen gekommen wäre, aber der Mann hat schon erstaunliches Geschick dafür bewiesen, was das nächste große Ding ist und wie man sich dabei möglichst wenig an Gesetze halten muss.
Song der Woche
Naked Cameo - Dead Weight
Naked Cameo - Dead Weight
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Marcel Schneuer

Wöchentliche Briefe an meinen Mitbewohner mit Interessantem aus Politik, Technologie und Kultur.

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