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Briefe an Max - Ausgabe #2

Briefe an Max - Ausgabe #2
Von Marcel Schneuer • Ausgabe #2 • Im Browser ansehen
Lieber Max,
wir sind an einem Punkt in dieser Pandemie angekommen, an der das Brummen deines Kaffeevollautomaten mir sagt, wie spät es wohl gerade sein muss.
Heute geht es um einen potentiellen Ausweg aus der Hölle, die Twitter-Trolle darstellen, ein Besuch im Inneren der Politik-Berichterstattung und das erste virale Bild der Welt.

Die Hölle hat einen Notausgang.
Tracy Chou builds anti-harassment tools, amid Reddit attacks - Protocol — The people, power and politics of tech
Es gibt einen Zeitpunkt, an denen Plattformen so groß sind, dass sie in ihrer Innovationskraft gebremst werden. Es bleiben Ihnen dann einige wenige Optionen: 1. Sie sterben langsam 2. Sie werfen Geld auf jede Firma, die ihnen gefährlich werden kann (auch Kronos-Effekt genannt) oder 3. Sie bieten die Möglichkeit als “Plattform der Plattformen” zu funktionieren. Anders gesagt: Andere Apps mit sehr spezifischen Funktionsweisen hängen sich an die schon existente Infrastruktur und machen mit ein bisschen Glück alles etwas besser.
Der Erfolg der dritten Optionen hat, nett gesagt, immer noch sehr viel Luft nach oben, da bisher jede dieser Plattformen irgendwann die Leine enger geschnallt hat (siehe auch Apple und sein App Store). Block Party könnte jedoch ein Beispiel für eine Anwendung sein, die eine existente und florierende Plattform (Twitter) nimmt und um eine gute Funktion (Hass automatisiert ausblenden) erweitert. Diese Funktion ist nicht für alle etwas und von manchen sogar unerwünscht, das schöne an diesem “Third Party” Ansatz war jedoch immer, dass man solche Funktionen entspannt ignorieren kann, wenn man sie nicht möchte. Block Party könnte mit ein paar schlauen Algorithmen ein solides Geschäftsmodell aufbauen für genau die, die von Hate Speech am meisten betroffen sind. Natürlich wäre es wünschenswert, wenn es diese Funktion gar nicht geben würde, aber bis die Utopie endlich zu uns findet, sehe ich dies als gute Zwischenlösung.
In Zeiten, in denen jede Plattform nur noch über ihre eigene App funktioniert (die einzige Firma, die eine Android App für Clubhouse gerade bauen kann, ist Clubhouse) und jede zweite westliche Regierung gerade ihre Liebe für Kartellrecht wieder entdeckt, könnte sich so manches Start-Up daran an Beispiel nehmen. Inklusive Twitter selber.
In der Höhle der Löwen
Ich bin mir selber nicht ganz sicher, wer in diesem Vergleich die Löwen sind: die Politiker oder Pressevertreter. Die Folge des Politik-Podcasts von letzter Woche gibt einen interessanten Einblick, wie eigentlich die Hauptstadt-Presse funktioniert. Anders als in den USA ist es nämlich so, dass die Journalisten die Politik zu sich ins Haus einladen und nicht anders herum, was auch dazu führt, dass ein kurz vor der Diktatur stehender Präsident nicht auf einmal den Pressepass von zu kritischen Schreibenden entziehen kann oder einfach keine Fragen dieser mehr annimmt.
In doch sehr turbulenten Zeiten ist es manchmal ganz gut, sich zu erinnern, dass so etwas wie die Bundespressekonferenz existiert und auch funktioniert.
Das erste virale Kunstwerk
"Die große Welle vor Kanagawa"
- Vom Souvenir zur Weltikone
Diese Welle kennt jeder. Man kennt sie als Tasse, Poster, Kleid, Krümelmonster, Album-Cover und wahrscheinlich auch Bettwäsche. Woher sie jedoch genau kam und warum ein japanisches Kunstwerk, welches eigentlich mal ein billiges Souvenir war, ein so prominenten Status in unserer Kultur hat, hat “die Zeit” sehr gut aufgearbeitet. Natürlich inklusive stilsicheren Interview im japanischen Garten und wissenden Zeigen auf Bildern in Museen. Was kann man mehr von einem Beitrag über Kunst erwarten?

Lied des Tages
May The Muse - Awake | A COLORS SHOW
May The Muse - Awake | A COLORS SHOW
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Liebe Grüße und schönes Wochenende,
Marcel
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Marcel Schneuer

Wöchentliche Briefe an meinen Mitbewohner mit Interessantem aus Politik, Technologie und Kultur.

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